Tektite - Die faszinierendsten Gläser der Erde
13. September 2025 bis 3. Mai 2026

Das Museum für Naturkunde Gera präsentiert vom 13. September 2025 bis zum 3. Mai 2026 die Kabinettausstellung „Tektite – Die faszinierendsten Gläser der Erde“. Diese nicht von Menschenhand geschaffenen und skurril geformten Gläser haben eine atemberaubende Entstehungsgeschichte hinter sich. Am Anfang stand immer ein Einschlag eines großen Meteoriten auf der Erdoberfläche. Unter bestimmten Bedingungen wurde dabei irdisches Gestein mit unvorstellbar hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre geschleudert. Durch den Aufprall und durch Wechselwirkung mit der Atmosphäre wurde das Gestein verflüssigt. Die Energie war so groß, dass die Gesteinsschmelzen die obere Atmosphäre oder den Weltraum erreichten. Die hier vorherrschenden niedrigen Temperaturen führten zu einer schlagartigen Abkühlung der verflüssigten Gesteine. Dabei konnten die Gesteinsschmelzen nicht kristallisieren und es entstand Glas. Die erstarrten Gläser fielen anschließend mehrere hundert oder mehrere tausend Kilometer entfernt zu Boden. Es regnete buchstäblich Glas. Es sind heute nur fünf solcher Tektit-Streufelder auf der Erde bekannt.
In der neuen Ausstellung sind Tektite aus zwei Tektit-Streufeldern zu sehen. Eines davon ist das Europäische Streufeld, das sich vor allem über Teile der Tschechischen Republik erstreckt. Das entsprechende Impaktereignis ist heute noch gut in Deutschland zu erkennen. Der Ries-Krater bei Nördlingen zeugt von einem katastrophalen Meteoriteneinschlag vor ca. 15 Millionen Jahren mitten im Gebiet des heutigen Deutschlands. Die Tektite, die dabei entstanden, werden als Moldavit bezeichnet. Ihre oft fantastisch grüne Farbe macht sie besonders populär und begehrt. Durch die Moldau und nachfolgend die Elbe wurden Moldavite aus ihrem ursprünglichen Streufeld abtransportiert und lagerten sich in Sanden und Kiesen der Elbe im heutigen Sachsen und Brandenburg ab, wo sie als sehr seltene „deutsche“ Moldavite in Kiesgruben gefunden werden können. In der Ausstellung erwartet die Besucher und Besucherinnen eine Auswahl filigraner Moldavite aus der Tschechischen Republik, aber auch jener sehr seltenen Exemplare aus Sachsen.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen vor allem aber Tektite aus dem weltweit größten Streufeld – dem Australasiatischen Streufeld. Es bedeckt mit mindestens 10% der Erdoberfläche Australien und Teile Südostasiens. Der verursachende Einschlag fand vor nur rund 790.000 Jahren statt. Die Ausstellung präsentiert fantastisch geformte Tektite aus China, Thailand, Vietnam, Indonesien und vor allem von verschiedenen Fundorten der Philippinen. Auch eine Auswahl der seltenen Australite, der Tektite Australiens, ist vertreten. Insbesondere in Asien und Australien haben Tektite seit Jahrtausenden hohe spirituelle Bedeutung für den Menschen. In Westaustralien wurden sie oftmals von Stämmen „Maban“ genannt, was „mit Magie verbunden“ bedeutet. Entsprechend Verwendung fanden die seltenen Fundstücke beim Heilen von Wunden und bei der Behandlung von Krankheiten. In anderen Gegenden Australiens bedeutete schon die Berührung eines Tektits den Tod, so dass man die Steine nach Gegnern warf.
Die exotischen Objekte werden von drei privaten Sammlern und der Mineralogischen Sammlung der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Verfügung gestellt. Am Weltkindertag, dem 20. September 2025, findet um 14.00 Uhr für Kinder, Jugendliche und Familien ein spannender Bildvortrag über Tektite im Museum für Naturkunde Gera statt. Museumsmitarbeiter Frank Hrouda berichtet über die Tektitsuche auf der populären „Tektit-Insel“ Anda / Philippinen, die er schon mehrfach besucht hat.