Art déco und Funktionalismus. Angewandte Kunst zwischen den Weltkriegen

Das Museum für Angewandte Kunst Gera besitzt einen herausragenden Bestand an internationalem und deutschem Art déco. Basierend auf den Sammlungen des Kunsthistorikers Georg Brühl (1931-2009) und des Kölner Straßenbahnschaffners und Conférenciers Hermann Götting (1939-2004) verdeutlicht die Dauerausstellung mit Keramik, Porzellan, aber auch Glas- und Metallarbeiten, Schmuck, Mode-Accessoires und Verpackungen, den Einzug des neuen Stils in den Alltag aller Gesellschaftsschichten. Möbeln u. a. des französischen Art déco Stardesigners Jaques Ruhlmann und eine Lampe von Jean Perzel sind Beispiele für den gehobenen bürgerlichen Geschmack.
Die Arbeiten der Bauhaus-Keramiker und Künstler Otto Lindig, Theodor Bogler, Marguerite Friedlaender-Wildenhain und Gerhard Marcks erlauben hingegen einen Einblick in die Entwicklung der Avantgarde vor dem Zweiten Weltkrieg.
Ein besonderes Augenmerk verdienen in der Ausstellung die präsentierten Werke des Architekten und Designers Thilo Schoder, der parallel zum Weimarer Bauhaus in Gera wirkte. Mit Schoder bekannt war auch die neusachliche Fotografin Aenne Biermann, die von 1920 an in Gera lebte und hier als Autodidaktin mit zunehmendem nationalem und internationalem Erfolg die Gestaltungsmöglichkeiten des Mediums der Fotografie erprobte. Das Museum verwahrt und präsentiert einen größeren Bestand an Vintage Prints.
Studiokeramiken aus der Sammlung Welle runden den Ausstellungsrundgang ab. Anhand der Objekte kann in Thüringen die Entwicklung der westeuropäischen Keramik von den 1950er-Jahren bis in die frühen 2000er-Jahre aufgezeigt werden. Sie veranschaulichen die Öffnung der Keramik hin zur freien Kunst. Zu sehen sind Werke u. a. von Lucie Rie, Hans Coper, Leiko Ikemura, Gertraud Möhwald und Masamischi Yoshikawa.
