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Geras Friedhöfe gehören zum immateriellen Weltkulturerbe

Beteiligung an bundesweiter Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ am 18. September


Der Südfriedhof in Gera wurde 1883 als neuer städtischer Friedhof eingeweiht. Zwei Jahre später entstand die Friedhofskapelle. Der Südfriedhof besticht vor allem durch seine denkmalgeschützten Wandgräber, die mit aufwändigen Steinmetzarbeiten verziert sind. Kein anderer Friedhof in Thüringen verfügt über eine vergleichbar hohe Anzahl an solchen historischen Grabmählern. Auf dem Südfriedhof befinden sich neben den Grabstätten einer Vielzahl von Persönlichkeiten wie Dr. Ferdinand Naumann (Botaniker, 1841-1902), Prof. Dr. Ernst Zimmermann (Geologe, 1860-1944) und Moritz Jahr (Unternehmer, 1816-1899) auch das Gräberfeld für Gefallene des 1. Weltkrieges sowie die Gedenkstätte für die Opfer der Niederschlagung des Kapp-Putsches, die vor kurzem in Teilen saniert wurde. (Stadt Gera/ Franziska Hug ) Stellvertretend für die insgesamt 13 Friedhöfe der Stadt steht der Südfriedhof in Gera jetzt im Zeichen des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur: Matthias Mittenzwey, Leiter des Amtes für Stadtgrün, brachte gemeinsam mit Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung am Freitagmorgen (18.09.) ein entsprechendes Schild am Haupteingang des Friedhofs in der Wiesestraße an, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für die Stadt aufmerksam zu machen. Gera ist damit Teil eines bundesweiten Netzwerks von über 100 Städten, die den diesjährigen Tag des Friedhofs am 20. September der Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe widmen.

Bereits im März hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission diese Ernennung beschlossen. Allerdings ging die Auszeichnung im Corona-Lockdown völlig unter, weshalb man jetzt mit der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ auch in Gera auf dieses vielschichtige Kulturerbe aufmerksam macht. „Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden“, erläuterte Matthias Mittenzwey, „sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.“ Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln. „Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden, der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat“, erklärte Mittenzwey weiter. Demnach sei die Friedhofskultur in Deutschland gleich in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung für das gesellschaftliche Selbstverständnis. Sie ist historischer Bestandteil des Lebensumfeldes und aus Dörfern und Städten nicht wegzudenken. Gleichzeitig bildet der Kulturraum Friedhof nicht nur den größten Denkmal- und Skulpturenpark in vielen Städten, sondern fungiert auch als Inspirationsfläche für unterschiedliche Kunstformen. Besonders hervorzugeben ist seine soziale Funktion: Der Friedhof erweist sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Nicht zuletzt zeigt sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Schließlich sei auch auf die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz hingewiesen, zum Beispiel als Ort der Biodiversität.

Weltweit einzigartig ist die Friedhofskultur in Deutschland vor allem aufgrund zweier Aspekte: die Einbettung der Gräber in Parklandschaften und die Gestaltung der Gräber als kleine Gärten der Erinnerung. „Nirgendwo sonst verbindet man gärtnerische und steinerne Elemente so zu individuellen Grabanlagen“, heißt es dazu vom „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“. Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO indes „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“. Im Fokus der Ernennung steht also nicht die Konservierung kollektiver Erinnerungskultur, sondern deren zeitgerechte Weiterentwicklung. „Auch in Zukunft wollen wir Bestattungsformen anbieten, die den Wünschen der Menschen entsprechen, wie zum Beispiel naturnah gestaltete oder pflegeleichte bzw. pflegefreie Grabformen“, so Matthias Mittenzwey in diesem Zusammenhang.
Matthias Mittenzwey, städtischer Leiter des Amtes für Stadtgrün, enthüllte am Freitagmorgen (18.09.) ein Schild am Haupteingang des Südfriedhofs Gera, das darauf hinweist, dass die insgesamt 13 Friedhöfe der Stadt ab jetzt im Zeichen des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur stehen. (Stadt Gera/ Franziska Hug ) Hintergrundinformation:

Initiiert wurde der Aktionstag vom „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“, das sich bundesweit der Pflege und Weiterentwicklung des UNESCO Kulturerbes verschrieben hat. Ziel ist es, die Bedeutung der Friedhofskultur für die Gesellschaft stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und – im Sinne der UNESECO – einen aktiven Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Kulturform zu leisten.

Weitere umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und die Bedeutung für die Gesellschaft finden Sie hier: www.kulturerbe-friedhof.de

Veröffentlichung: 18.09.2020