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„…der Sachlichkeit verpflichtet. Anne Biermann - Fotografien 1926 bis 1932“

Neue Sonderausstellung vom 31. Oktober bis 17. Februar im Museum für Angewandte Kunst Gera – Auftakt für das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus 2019


Kurator Frank Rüdiger stellt die neue Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst vor. (Stadtverwaltung Gera/Melanie Siebelist) Das Museum für Angewandte Kunst Gera präsentiert vom 31. Oktober 2018 bis 17. Februar 2019 eine hochkarätige Einzelausstellung der international bekannten Fotografin Aenne Biermann (1898-1933), die in den 1920er-Jahren zu eine der innovativsten Lichtbildnerinnen Deutschlands avancierte und neben dem Architekten Thilo Schoder oder dem Maler Kurt Günther dem Künstlerkreis angehörte, deren Wirken weit über die Stadt Gera hinausreichte. Gleichzeitig stellt diese Schau einen Auftakt für das 100. Bauhausjubiläum 2019 dar, ergänzt von weiteren attraktiven Ausstellungen in den Geraer Museen.

Die in Goch am Niederrhein geborene Aenne Biermann fand durch ihre Heirat mit dem Geraer Kaufhausbesitzer Herbert Biermann Anfang der 1920er Jahre in der ostthüringischen Stadt eine neue Heimat. In ihrem Haus im Stadtteil Untermhaus schuf sie zwischen 1927 und 1929 den entscheidenden Teil ihres fotografischen Schaffens. Ihre Beschäftigung mit dem Medium Fotografie begann bereits mit der Geburt der beiden Kinder Helga (1920) und Gerd (1923). Früheste belegte Fotografien stammen aus dem Jahr 1921 und dokumentieren mit Sensibilität und Gespür das Heranwachsen ihrer Kinder. Um 1927 lernte die Autodidaktin den Geraer Lehrer und leidenschaftlichen Geologen Rudolf Hundt kennen, der sie bat, möglichst detailgetreue und scharfe Aufnahmen von Mineralien und Steinen anzufertigen. Aenne Biermann stellte sich dieser Herausforderung und beschäftigte sich intensiv mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten für die Anfertigung hochwertiger Bilder.

In den folgenden Jahren entstanden Fotos, die nicht allein durch ihre Gegenstandbezogenheit und Wiedergabetreue beeindrucken. Außergewöhnliche Perspektiven und Bildausschnitte aber auch das fotografische Erfassen alltäglicher Gegenstände und Gegebenheiten zeugen von ihrer individuellen Suche nach dem charakteristischen Selbstverständnis der Fotografie in jener Zeit. Isoliert von den großen Kunstzentren des Landes wuchs in der Beschaulichkeit der thüringischen Provinz eine fotografische Begabung heran, die sich, ohne dies vordergründig anzustreben, den fortschrittlichen Tendenzen der Neuen Sachlichkeit und der Neuen Fotografie annäherte. Die heute international beachtete Fotografin verstarb 1933 an den Folgen einer unheilbaren Krankheit.
Ihre Œuvre ist wahrscheinlich zu großen Teilen vernichtet. Die Negativsammlung, die nach der Flucht ihrer Familienangehörigen aus Nazideutschland nach Palästina verschickt werden sollte, wurde konfisziert und ist bis heute nicht auffindbar. Mehr als 3000 Negative sind verschollen. Nur einige Hundert nachweisbaren Papierabzüge sowie sehr wenige Negative sind in Museen und Privatsammlungen zu finden. Umso mehr ist das Museum für Angewandte Kunst Gera stolz darauf, eine der umfangreichsten Sammlungen an Fotografien der Lichtbildnerin zu bewahren. Diese themenspezifische Sammlung ist dem Engagement vieler Partner zu verdanken. Der Freistaat Thüringen sowie die Kulturstiftung der Länder und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ermöglichten 1998 bzw. 2001 durch Ankäufe bzw. durch Dauerleihgaben eines größeren Konvolutes diesen Bestand, der ergänzt wird durch Stiftungen aus privaten Sammlungen.

Die in der Exposition präsentierten Bilder entstanden zwischen 1926 bis 1932. In diesen sechs Jahren hatte sich Aenne Biermann von einer engagierten Familien- und Freizeitfotografin zu einer der bemerkenswertesten Lichtbildnerinnen jener Jahre entwickelt, deren Arbeiten sich maßgeblich an der Entwicklung einer modernen Bildsprache des Mediums Fotografie in der damaligen Zeit orientierten. Die thematische Vielfalt der etwa 140 ausgestellten Fotografien umfasst Aufnahmen von Pflanzen und Mineralien, Landschafts- und Architekturfotos, Stillleben und Porträts, aber auch Mehrfachbelichtungen und Montagen. Alle gezeigten Exponate stammen aus der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Gera, dem Stadtarchiv Gera, dem Museum für Naturkunde Gera, dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, der Galerie Kicken Berlin sowie zwei weiteren Privatsammlungen.

Aenne Biermann ist als Künstlerin in unserer Stadt Gera nicht vergessen. So trägt beispielsweise die Volkshochschule ihren Namen. Die Stadt Gera lobt gemeinsam mit der SV SparkassenVersicherung alle zwei Jahre den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie aus. Er hat sich mittlerweile zu einem der wichtigsten Fotografiepreise – vor allem auch für junge Fotografen – in Deutschland entwickelt. Zum Gelingen des Projektes tragen der Freistaat Thüringen, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die SV SparkassenVersicherung sowie die Sparkasse Gera-Greiz durch ihr Engagement wesentlich bei. Ohne diese Unterstützung wäre die Realisierung der Ausstellung nicht möglich gewesen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

Datum

Zeit

 

Dienstag, 30. Oktober 2018

19:00 Uhr

Ausstellungseröffnung

Sonntag, den 04. November 2018

14:00 Uhr

Öffentliche Führung  mit dem Kurator Frank Rüdiger

Sonntag, den 02. Dezember 2018

14:00 Uhr

Öffentliche Führung mit dem Kurator Frank Rüdiger

Dienstag, den 13. November

16:00 Uhr

Tea-Time mit Kunst

Dienstag, den 11. Dezember 2018

16:00 Uhr

Tea-Time mit Kunst

Dienstag, den 08.Januar.2019

16:00 Uhr

Tea-Time mit Kunst

Sonntag, den 17. Februar 2019

14:00 Uhr

Öffentliche Führung mit dem Kurator Frank Rüdiger

Gemeinschaftsveranstaltung mit der Volkshochschule „Aenne Biermann“



Museum für Angewandte Kunst Gera
Greizer Straße 37
7545 Gera
Tel.: 0365 – 8381430
Fax: 0365 – 8381432
E-Mail: musak@gera.de
www.gera.de
Öffnungszeiten: Mi bis So/Feiertage 12 bis 17 Uhr





Veröffentlichung: 30.10.2018