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Bibliothek zeigt vom 7. bis 25. Januar Infotafeln zur Kampagne „Lesen und Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt“

Infotafeln zur Kampagne „Lesen und Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt“ sind vom 7. bis 25. Januar im Foyer der Stadt- und Regionalbibliothek am Puschkinplatz zu sehen. Die Stadt- und Regionalbibliothek will mit der Ausstellung ihren Beitrag dazu leisten, auf das Thema „Funktionaler Analphabetismus“ aufmerksam zu machen. Die Besucher sollen dafür sensibilisiert werden, vielleicht sogar den einen oder anderen Betroffenen zu ermutigen und zu unterstützen, Lesen und Schreiben zu lernen. Thüringenweit bieten alle Volkshochschulen Alphabetisierungskurse an. Diese sind größtenteils für die Betroffenen kostenlos. Auch hierbei soll diese Wanderausstellung helfen zu informieren.

Kann wirklich jeder Erwachsene in Deutschland Lesen und Schreiben? Nein. Im Jahre 2011 stellte die Universität Hamburg in Ihrer „leo.-Level One Studie“ fest, dass es in Deutschland zirka 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gibt, die nur unzureichend lesen und schreiben können- sogenannte funktionale Analphabeten.

Allein in Thüringen liegt die Zahl geschätzt bei zirka 200.000. Auch nach der neuesten „PISA- für Erwachsene“ 2013, der sogenannten PIAAC Studie (Programme für the International Assessment oft Adult Competencies) der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) geht hervor, dass 17,5 Prozent der Testpersonen in Deutschland zwischen 16 und 65 Jahren maximal in der Lage sind, kurze Texte mit einfachen Vokabular zu lesen und zu verstehen. 18,5 Prozent der Testpersonen gelangten nicht über das grundlegendste Niveau des Rechnen und der Alltagsmathematik hinaus. In Reaktion auf die „leo.-Level One Studie“ haben sich Bund und Länder im Februar 2011 auf die „Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland“ verständigt. Im Rahmen dieser Nationalen Strategie hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im September 2012 gemeinsam mit den Ländern, dem Deutschen Volkshochschulverband, dem Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e.V. und weiteren Partnern der Alphabetisierung die bundesweite Informations- und Motivationskampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ gestartet. Mit der Kampagne soll die öffentliche Wahrnehmung des Themas gesteigert und die Aufmerksamkeit für Maßnahmen der Alphabetisierung in den Regionen verstärkt werden.

Verschiedene Wege können genutzt werden, um möglichst viele Menschen für das Thema zu sensibilisieren und zu vermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, auch als Erwachsener lesen und schreiben zu lernen. Dafür setzt die Kampagne auf Erfolgsgeschichten, die davon berichten, wie bessere Lese- und Schreibkompetenzen das Leben der Betroffenen sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich positiv verändern. Erreicht wird das u.a. durch Hörfunk-, TV- und Kino-Spots sowie durch bundesweite Großflächenplakate mit den Kampagnenmotiven. Das Hilfsangebot, das bei allen Medien im Mittelpunkt steht, ist die Nummer des "Alfa-Telefons" - ein deutschlandweiter, kostenloser Service des Bundes-verbandes für Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

Die Infotafeln zur Kampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“, wie sie ab 7. Januar in der Stadt- und Regionalbibliothek Gera zu sehen sind, bilden ein weiteres attraktives Format, Informationen rund um die Alphabetisierung mit ansprechenden Infografiken und zahlreichen Statements von Lernenden und Experten aufzubereiten. Gleichzeitig sind die Infotafeln die analoge Variante der audiovisuellen Ausstellung, die im Rahmen von regionalen Veranstaltungen des BMBF an ausgewählten Standorten gezeigt wird und auch auf der Homepage „www.mein-schluessel-zur-welt.de zu sehen ist.

Schwierigkeiten mit der Schrift zu haben, ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema. 57 Prozent der funktionalen Analphabeten sind berufstätig und weder der Arbeitgeber noch die eigenen Kollegen wissen davon. In allen Branchen wachsen die Anforderungen an Lese- und Schreibkompetenzen stetig. Während Geringqualifizierte früher zum Beispiel hauptsächlich manuelle Tätigkeiten übernahmen, werden inzwischen komplexere Anforderungen –auch an das Lesen, Schreiben und Rechnen– gestellt. Tatsache ist, funktionale Analphabeten sind immer öfter von drohender Arbeitslosigkeit betroffen bzw. können erst gar nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden. Betroffene outen sich meistens nicht von selbst- aus Angst, aus Scham oder auch aus Resignation. Funktionale Analphabeten haben sich im Laufe der Zeit eine perfekte Tarnung zugelegt, um nicht erkannt zu werden. Aus diesem Grund erreicht man die Betroffenen fast immer nur über Dritte: Schlüsselpersonen, Multiplikatoren, Vertrauenspersonen.

Seit dem 1. Oktober 2012 beraten und informieren die Mitarbeiter des Projektes „NOthA-Netzwerk Ostthüringen für Alphabetisierung“1 der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH Akademie Plauen / Außenstelle Gera über das Thema des „Funktionalen Analphabetismus“. Ein Schwerpunkt ist die Aufklärung und Sensibilisierung zu diesem Thema, z.B. durch kostenfreie Informationsworkshops, um die Öffentlichkeit anzuregen zu helfen, wenn sie einen Betroffenen kennen. Die Erfahrungen zeigen, so Uwe Hupfer von NOthA, dass, bis auf einige wenige Ausnahmen, die breite Öffentlichkeit wenig bis gar keine Kenntnisse über diese Thematik besitzt. Gleichermaßen wissen nur sehr wenige zumindest ansatzweise etwas über die Ursachen des funktionalen Analphabetismus und wie letztendlich Betroffenen geholfen werden kann, also welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, auch als Erwachsener, egal in welchem Alter, Lesen und Schreiben zu lernen. Vielen ist dabei auch nicht bekannt, dass thüringenweit alle Volkshochschulen Alphabetisierungskurse anbieten und diese größtenteils für die Betroffenen kostenlos sind. Auch hierbei soll diese Wanderausstellung helfen zu informieren.

Die Ausstellung ist in der Bibliothek Montag, 14 bis 19 Uhr, Dienstag bis Freitag, 10 bis 19, Uhr und Sonnabend, 10 bis 13 Uhr, zu sehen.

Bei Interesse oder Fragen stehen die Projektmitarbeiter jederzeit gern zur Verfügung.


Kontakt:
Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH
Akademie Plauen/ Außenstelle Gera
Fasaneninsel 1, 07548 Gera
Tel.: 0365 / 773353-15 / Ansprechpartner: Andrè Meinhardt, Uwe Hupfer
E-Mail: info@faw-notha.de / Internet: www.faw-notha.de

Das Projekt ist Teil des Förderschwerpunktes „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“. Dieses Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.


Veröffentlichung: 17.12.2014