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Vier Thüringer stehen für IBA-Projekt „ARGE NOAH“ (17. September 2014)

200 Jahre Landesverschönerung in Ostthüringen am Beispiel der Städte Altenburg, Ronneburg und Gera

„Stehenbleiben k ö n n e n wir nicht; zurückgehen w o l l e n wir nicht: wir werden also schon dem edlen Triebe folgen müssen, vorwärtszuschreiten.“ Dieses Zitat stammt von Jonathan Schuderoff und: aus dem Jahr 1825. Dr. Gerlinde Krause, Professorin an der Fachhochschule Erfurt im Fach Landschaftsarchitektur, schrieb es in den Einstieg einer Bewerbung bei der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA).

Die Vertreter der IBA (v.l.) Bernhard Heitele, Claudia Siebeck und Dr. Marta Doehler-Behzadi hier an der symbolischen Brücke zwischen den Regionen zur Landesverschönerung und zum Brückenbau in Gera, weiter von l.: Ramon Miller, Prof. Dr. Gerlinde Krause, Ronneburgs Bürgermeisterin Krimhild Leutloff, Altenburgs Bürgermeisterin Kristin Knitt, FH-Studentin Janina Bader, Fördervereinsmitglied Uli Feistel alias Pfarrer Schuderoff sowie weitere Vereinsmitglieder. Von rechts: IBA-Beauftragter Thomas Leidel und Fördervereinsvorsitzender Heinrich-Dieter Hischer sowie Vereinsmitglied Roswita Schmeller. (Stadtverwaltung Gera/CH) Schuderoff war Ronneburger Pfarrer und verfasste so etwas wie ein Grundsatz-Dokument zur Landesverschönerung mit der Botschaft: niemals aufzugeben, unser Umfeld lebenswert und nachhaltig für folgende Generationen zu formen. Prof. Krause bewarb unter anderem damit bei der IBA das Gemeinschaftsprojekt „ARGE NOAH“. Sie möchte in Kooperation mit den Städten Altenburg, Ronneburg und Gera sowie Vereinen in den Städten für die Landesverschönerung „zu neuen Ufern aufbrechen“, so Prof. Krause.

„Unser Projekt ist einzigartig – denn wir arbeiten über Stadtgrenzen hinweg und mit mehreren Vereinen in allen Städten zusammen. Damit entspringt unser Projekt einer breiten Basis, es hat viele Köpfe, viele Hände, enorme Breitenwirkung und langen Atem“, so die Expertin für Stadt- und Freiraumplanung.

Sie und ihre Partner nutzten den Besuch der IBA-Geschäftsführerin Dr. Marta Doehler-Behzadi in Begleitung von IBA-Projektleitern am Mittwoch (17.9.) in Gera. Die ARGE-NOAH-Partner präsentierten ihr Gemeinschaftsprojekt an einer extra für den Tag hergestellten symbolischen Brücke. Die Bürgermeisterinnen aus Altenburg und Ronneburg, Kristin Knitt und Krimhild Leutloff, der Vorsitzende des Geraer Stadtwaldbrückenvereins Heinrich-Dieter Hischer und Geras Dezernent Bau und Umwelt Ramon Miller demonstrierten ihre Geschlossenheit für das Projekt. „Unser Projekt ist ein Brückenschlag für die Zusammenarbeit in der Region, von moderner Wissenschaft und Praxis sowie von Stadtverwaltungen mit Vereinen“, so Heinrich-Dieter Hischer. Sein Verein möchte die Marienbrücke im Geraer Stadtwald wiederaufbauen und das städtische Projekt für einen attraktiveren Stadtwald unterstützen. Die Altenburger werden sich ebenfalls ihrem Stadtwald widmen, ihn attraktiver gestalten. Die Ronneburger möchten eine ehemalige Haldenaufstandsfläche mit Bäumen wiederaufforsten. Und die FH Erfurt möchte ihre Studenten an praktischen Anforderungen arbeiten lassen. Erste Masterarbeiten wurden bereits verfasst, zum Beispiel zum Stadtwald und zum Mühlgraben in Gera. Weitere werden folgen, begleitet von der Hoffnung aller Projektpartner, ein IBA-Projekt zu werden. Am 30. September gibt die IBA GmbH bekannt, welche der 250 Projektbewerbungen weiter verfolgt werden und in die engere Auswahl um den begehrten Status eines IBA-Projektes kommen.


Aus dem Originaltext der IBA-Projektbewerbung:


„Stehenbleiben k ö n n e n wir nicht; zurückgehen w o l l e n wir nicht: wir werden also schon dem edlen Triebe folgen müssen,
vorwärtszuschreiten.“

ARGe NOAH - 200 Jahre Landesverschönerung in Ostthüringen am Beispiel der Städte Altenburg, Ronneburg und Gera

ARGe steht für Altenburg, Ronneburg und Gera/ auch Arbeitsgemeinschaft; NOAH steht für Nachhaltige, gestalterische Ordnung in Angemessenheit beim Stadtumbau mit touristisch ausstrahlender Wirkung und Beförderung von Heimatbewusstsein/ initiiert das Aufbrechen zu neuen Ufern)

1825 wurde die Schrift Landesverschönerung von Jonathan Schuderoff, u.a. Oberpfarrer von Ronneburg, in Altenburg gedruckt. Es ist nach Däumel das erste, „sich allein mit Landesverschönerung befassende Buch“ (D 46) Deutschlands und greift die Intentionen der 1823 gebildeten Deputation für Landesverschönerung „im Herzogtum Altenburg“ (S 49) auf. Die Idee, „das Land [zu] verschönern, damit du Schaden und Nachtheil nach Kräften abwendest, und frohen Lebensgenuß, Wohlstand und Anmuth auf Erden beförderst“ (S 33) ist von Bürgern gemeinsam zu tragen, um „B ü r g e r s i n n“ und „L a n d e s s i n n“ (S 92) auszuprägen. Gebaut werden soll „nach a l l g e m e i n g ü l t i g e n G r u n d s ä t z e n, bauet e i n f a c h; bringt in das Ganze bei aller Mannigfaltigkeit E i n h e i t“ (S 56).

Den 1825 formulierten Intentionen folgen die Ostthüringer Städte Altenburg, Ronneburg und Gera mit beachtlichen Leistungen, insbesondere im Aufbau und in der qualitätsvollen Ausgestaltung gesamtstädtischer Grünsysteme. .Diese gewachsene „grüne Quantität und Qualität“ bauen sie mit hohem bürgerschaftlichen Engagement im Zusammenspiel mit den kommunalen Verwaltungen aus und entwickeln sie zu ihren Markenzeichen.

Präsentiert werden sollen zur IBA Thüringen in Kooperation der FH Erfurt mit den 3 Städten
Attraktivitätssteigerung Stadtwald Gera zur Umsetzung eines touristischen Entwicklungskonzepts,
großflächige Aufforstung und Ausgestaltung der Ronneburger Bergbaufolgelandschaft in Ergänzung des bestehenden Grünsystems und zur touristischen Aufwertung,
Kleingartenentwicklung/-umbau als wesentliche Elemente der weiteren Ausprägung des gesamtstädtischen Grünsystems in Altenburg, gefördert durch ein kommunales Förderinstrumentarium,
Attraktivitätssteigerung des Familien- und Freizeitareals „Großer Teich/ Hellwiese/ Stadtwald/ Skatarena“ in Altenburg,
Entwicklung von Rückbauflächen des Wohngebietes (WG) Altenburg-Nord, u.a. bis hin zur Rückgewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen im Kontext von Stadtumbau.

Warum Landesverschönerung?
In der 1825 veröffentlichten Schrift Landesverschönerung verleiht Schuderoff seiner Überzeugung Ausdruck, dass die „Liebe zu einer Idee“ (S, Vorwort) eine hohe BESTÄNDIGKEIT aufweisen und eine Vielzahl von Aufgaben lösen helfen wird.
Er fordert ein, „dass wir unsern Nachkommen verhältnismäßig eben so viel übrig lassen werden, als die früheren Geschlechter uns schuldig geblieben sind.“ (S 17)
Er verweist darauf, dass „BILDUNG (Kultur) und Landesverschönerung“ sich wechselseitig bedingen „und je allgemeiner jene, desto umfassender auch diese.“ (S 60).

Schuderoffs Intention zur Landesverschönerung ist ein langfristig orientiertes, programmatisches Werk, das nicht nur in der Theorie verbleibt, sondern im Ostthüringer Raum verinnerlicht und bis in die Gegenwart getragen wird. Es bietet vielfältige Berührungspunkte mit dem IBA-Thüringen-Konzept.

Warum werden gerade diese Vorhaben präsentiert?

1. Seit den 1990-er Jahren wuchs mit Zunahme der Stressfaktoren (Arbeitsplatzsorge, -pendeln, erhöhte Qualifikationsanforderungen im Berufsleben) die 'Sehnsucht nach Ruhe und Ausspannen'. Traditionelle Werte gewannen in diesem Kontext an Relevanz + führten zu einer Bedeutungssteigerung von Gartenarbeit + ländlicher Idylle. Parallel zum erlebnisorientierten Freizeitkonsum entwickelt sich eine neue mental-ausgerichtete Sinnorientierung "zur wichtigsten Ressource der Zukunft und zu einer großen Herausforderung der Wirtschaft". (B 2)

Das Kleingartenwesen bietet im Ostthüringer Raum einen überdurchschnittlich hohen Versorgungsgrad, hat im Kontext von Schrumpfung und Alterung in den Städten eine Vielzahl an Problemen zu bewältigen. Diesen neuen Anforderungen stellt sich der Regionalverband "Altenburger Land der Kleingärtner". Er entwickelte bereits ab 2005 ein INNOVATIVes Kleingartenentwicklungskonzept als Teil des ISEK (aktuell 2. Fortschreibung) + offeriert so jeder Anlage eine Zukunftsperspektive (Umbau/Rückbau). Zur Umsetzung des Konzeptes wurde ein in Deutschland bisher EINZIGARTIGes kommunales Förderinstrument etabliert + der Kleingartenumbau begonnen. Präsentiert wird zur IBA die Spannweite dieses Umbauprozesses an den KGA Bauhof I/II (älteste KGA, innerstädtische Lage) + dem neu zu entwickelnden Kleingartenpark ABG-Ost (Stadtrandlage).

2. Geht man davon aus, dass sich die Zwei-Drittel-Gesellschaft in der Bundesrepublik (vgl. Armutsdiskussion) weiter ausprägen wird + berücksichtigt man gleichzeitig die steigende Alterung (zunehmende Immobilität), erlangt Naherholung einen höheren Stellenwert, d.h. Stadtrandzonen als ERLEBBAREStadtLANDSCHAFTEN gewinnen mit ihren Optionen für eine ruhige, sinnbetonte Erholung im vielfältigen Übergang zur Landschaft an Bedeutung. Sie sind zu Wohlfühllandschaften zu entwickeln.

Gera + Altenburg besitzen ausgedehnte Stadtwälder, die über Landesverschönerung eine BESONDERE, nachhaltige Ausgestaltung erfuhren. Im Süden Altenburgs entstand eine DENKMALWÜRDIGE SACHGESAMTHEIT aus Wäldern, landwirtschaftlichen Nutzflächen, Bächen, Park-, Sport-/Freizeit-/KGA + Wohnen, die weiter ausgeformt werden soll. Mit dem Stadtumbau im WG ABG-Nord soll an die Intentionen im Süden angeknüpft + eine neue Stadtrand-Qualität präsentiert werden. Gera verfügt über den DRITTGRÖSSTEN STADTWALD THÜRINGENS mit insges. 1.100 ha (LSG "Geraer Stadtwald", FFH-Gebiet, Stadtlage) + wurde von der Arbeitsgemeinschaft "Naturgemäße Waldwirtschaft" ausgezeichnet. Die Ausgestaltung des Stadtwaldes wird über bürgerschaftliches Engagement als Baustein für ein Konzept der Nah- sowie Regionalerholung + als ein Teilelement des gemeinsamen Ostthüringer Städtetourismus in neuer Qualität fortgesetzt. Ronneburg verfügt als Radiumbad + Kurort ebenfalls über ein ausgestaltetes gesamtstädtisches Grünsystem. Die großflächige Aufforstung erweitert dieses System + entwickelt gleichzeitig die 124 ha umfassende Landschaftsneugestaltung der BUGA "Neue Landschaft" fort.

3. Während die Vereinstätigkeit 2004 zu 2009 in Ostdeutschland leicht rückläufig war, können die drei Städte auf eine stabil gewachsene Entwicklung verweisen. Das gering organisationsgebundene Engagement erhöhte sich im Vergleichszeitraum. Dieses Potential (vorherrschend der kreativen Jungen), gepaart mit dem STABILEN BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENT IN DEN DREI STÄDTEN (vorherrschend die Altersgruppen der 50- bis 59-Jährigen/60- bis 69-Jährigen), ist die Grundlage der Projekt-Umsetzung.

4. Ein koordinierter Städtetourismus ist als wirtschaftsstärkende Komponente angedacht. Es gilt, dem "anspruchsvollen, preissensiblen und multioptional agierenden Kunden mit vielschichtigen, komplexen und in Teilen widersprüchlichen Konsum- und Lebensstilen" (T 5) ein breites Angebot zu offerieren. Dementsprechend wird die Präsentation der Projektidee mit Tagungen zu „200 Jahre Naturforschende Gesellschaft des Osterlandes“ eröffnet + zu „200 Jahre Landesverschönerung im Ostthüringer Raum“ beendet. Für den Zwischenzeitraum sind wechselnde Kunstausstellungen + Events in den drei Städten vorgesehen, um auch den BILDUNGS- + KULTURGEDANKEN DER LANDESVERSCHÖNERUNG zu befördern.

Kontakte zu den Projektpartnern:

Frau Prof. Dr.-Ing. Gerlinde Marianne Krause
Fachhochschule Erfurt (FHE), Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Erfurt
0361/6700224
krause@fh-erfurt.de

Stadt Altenburg
Oberbürgermeister Herrn Michael Wolf
Markt 1, 04600 Altenburg
Tel.: 03447/594100
Email: oberbuergermeister@stadt-altenburg.de

Stadt Ronneburg
Bürgermeisterin Frau Krimhild Leutloff
Am Markt 1 / 2, 07580 Ronneburg
Tel.: 036602/53613
Email: stadt@ronneburg.de

Stadt Gera
Oberbürgermeister Herr Julian Vonarb
Kornmarkt 12, 07545 Gera
Tel.: 0365/8381006 oder 0365/8381007
Email: Buero.Oberbuergermeister@gera.de

Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V.
Geschäftsführer Ralf Hanemann/Bettina Haase
Blosenburgstraße 4
99096 Erfurt
Tel.: 0361/644950
Email: info@biw-bau.de

Förderverein Stadtwaldbrücken Gera e.V.
Vorstand vertreten durch Heinrich-Dieter Hischer
Siedlung Elstertal 2, 07551 Gera
Tel.: 0365/36820
Email: h-d@hischer.eu

Regionalverband „Altenburger Land der Kleingärtner „e. V.
vertreten durch den Vorsitzenden Dr. Wolfgang Preuß
Nordplatz 16, 04600 Altenburg
Tel.: 03447/502527
Email: altenburger-kleingaertner@web.de